Am Strand sehen deine Fußabdrücke wie kleine ovale Pfützen aus und haben wenig mit den Spuren eines gesunden Fußes gemein. Die Diagnose ist einfach: Plattfüße. Bevor du die Diagnose akzeptierst und für immer unbequeme Einlagen in deine Schuhe legst, solltest du aber kurz innehalten. Vielleicht ist nicht alles so, wie es scheint.

Vielleicht hast du gar keine Plattfüße. Deine Füße sind nur eingesperrt und unzufrieden.
Wie viele Arten von Fußgewölben haben wir eigentlich?
Üblicherweise unterscheidet man zwischen Längs- und Quergewölbe. Tatsächlich solltest du dir jedoch ein durchgehendes Gewölbe vorstellen, das eine unverzichtbare Funktion erfüllt: Es dämpft Stöße und ermöglicht uns, weich aufzutreten, während es Verletzungen bei jedem Schritt vorbeugt.
Das Fußgewölbe ist etwas Natürliches. Drei Elemente bestimmen seine Form und Funktion: Knochen, Muskeln und Gehirn. Du fragst dich wahrscheinlich: „Das Gehirn? Wirklich?“ Ja. Die Knochen geben dem Gewölbe seine keilartige Form, und die Muskeln richten es durch ihre Kontraktion aus. Aber das Gehirn entscheidet über diese Kontraktionen.

So sehen ein abgesenktes Gewölbe, ein gesundes Gewölbe und ein „Pes cavus“ mit hohem Volumen aus.
Wenn das Gehirn nicht weiß, dass du Füße hast
Das Problem ist: Das Gehirn kann nur steuern, was es wahrnimmt. Es könnte die Fußmuskeln steuern, aber wir Menschen haben ihm beigebracht, es nicht zu tun. Schon von klein auf tragen wir steife, enge Schuhe, die nicht der Form unserer Füße entsprechen. Die Muskeln eines eingeschnürten Fußes werden schwächer, und mit der Zeit erhält das Gehirn eine klare Botschaft: „Hier hat es keinen Sinn, es überhaupt zu versuchen.“
Deshalb erstellt es ein neues Bewegungsprogramm – eine neue Art zu gehen, zu stehen und sich zu bewegen.

Das Gehirn kann die Fußmuskeln sehr präzise steuern – wenn wir es lassen.
Wie entstehen dann „Plattfüße“?
Der Gründer von Ahinsa shoes, Physiotherapeut Lukáš Klimpera, erklärt: „Menschen suchen oft ihren Physiotherapeuten oder Orthopäden auf, um ihre Plattfüße behandeln zu lassen. Doch in 70% der Fälle haben sie nur einen sogenannten ‚Talipes valgus‘ – ihr Knöchel kippt also nach innen.“
Hüften, Knie, Knöchel und Füße sollten auf einer Linie liegen. Sobald der Knöchel nach innen „einknickt“, „sinkt“ das Längsgewölbe ab. Tatsächlich liegt das eigentliche Problem aber nicht im Gewölbe. Sobald du den Knöchel in die richtige Position bringst, bildet sich das Gewölbe wieder.

Kannst du erkennen, ob dein Gewölbe wirklich in Ordnung ist? Richte deinen Knöchel auf, und das Gewölbe bildet sich wieder.
Dieses Einknicken des Knöchels liegt oft an – Trommelwirbel bitte … – genau, den falschen Schuhen. Wenn deine Schuhe deine Zehen zusammendrücken, verlierst du Halt. Der Fuß ist nicht stabilisiert und knickt am Knöchel nach innen unter dem Gewicht deines Körpers. Die Folgen können sich im ganzen Körper zeigen: als Schmerzen in Knien, Hüften, Rücken, Halswirbelsäule und Kopf.
Das Quergewölbe entsteht durch die Zehen
Und wie sieht es mit dem Quergewölbe aus? Dieses Gewölbe entsteht auf natürliche Weise durch die Zehengelenke, sobald sie aktiviert werden. Streck deine Zehen einmal aus und zieh sie dann wieder ein. Siehst du? Es bildet sich ein Gewölbe.
Deshalb entstehen Probleme mit einem abgesenkten Gewölbe oft nicht im Gewölbe selbst. Wenn du deine Füße seit deiner Kindheit in herkömmliche Schuhe zwängst, raubst du deinen Zehen ihre Kraft: Sie bleiben inaktiv und werden schwächer. Wie soll sich so ein Gewölbe bilden?

Das Quergewölbe entsteht durch aktive Zehen.
Ein flacher Fuß ist nicht immer schlecht
Vielleicht ist deine Diagnose falsch. Du gehst gesund in gesunden Schuhen, deine Knöchel sind zum ganzen Fuß zentriert und deine Zehen arbeiten mit. Trotzdem sieht dein Fußabdruck am Strand oval aus. Was nun?
Ein flacher Fußabdruck muss nicht bedeuten, dass etwas nicht stimmt. Entscheidend ist die Funktion des Gewölbes, nicht seine Form.
Lukáš Klimpera nennt ein Beispiel aus seiner physiotherapeutischen Praxis: „Ich hatte einen Patienten, der bei der Untersuchung mit dem Podoskop völlig plattfüßig wirkte. Bei der Betrachtung von oben zeigte sich jedoch, dass sein Fuß eine hervorragende Form hatte und das Gewölbe sehr gut ausgerichtet und funktionsfähig war. Der Patient war professioneller Slackliner. Sein Fuß war so muskulös geworden, dass sich dort, wo normalerweise das Gewölbe liegt, kräftige Muskulatur befand.“
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Du bist dir nicht sicher, ob deine Füße in guter Form sind? Verursachen sie Beschwerden oder Schmerzen? Besuche einen Physiotherapeuten, der dir sicher sagen kann, wo das Problem liegt und wie du es angehen kannst.
Erwarte keine Wunder von Einlagen
Viele Orthopäden behandeln Plattfüße weiterhin mit einer einfachen, aber nicht funktionierenden Lösung: Sie verschreiben orthopädische Einlagen. Du legst sie in deine Schuhe und erwartest ein Wunder. Doch es bleibt aus. Warum?
Weil eine passive Korrektur des Gewölbes nicht ausreicht. Sobald du die Schuhe ausziehst, fällt der schwache Fuß wieder zusammen. Du musst ihn aktivieren und stärken, um ein wirklich gesundes Gewölbe zu haben. Was hilft dir dabei?
- Regelmäßige Übungen
- Gesundes Gehen in den richtigen Schuhen
Mit Übungen befassen wir uns in einem unserer nächsten Artikel. Übungen zur Aktivierung des Fußes findest du auch im E-Book Schritt für Schritt zu einem gesunden Gang.

Am gesündesten für Plattfüße ist Bewegung. Du musst aber auch die richtigen gesunden Schuhe tragen.
Laut Lukáš Klimpera kann eine orthopädische Einlage helfen, aber du solltest dich nicht allein auf sie verlassen: „Wenn du wirklich trainierst, kann die Einlage hilfreich sein, weil sie dich führt. Aber sie sollte in einem Schuh verwendet werden, der deinem Fuß volle Funktion ermöglicht.”
Lesetipp: Gesund gehen: 5+ Tipps von Physiotherapeuten
Gute Schuhe befreien dich
Was sind also die richtigen Schuhe? Solche, die dich so gehen lassen, als wärst du barfuß. Sie müssen folgende Eigenschaften haben:
- eine breite Zehenbox, die deine Zehen befreit
- eine flexible, dünne Sohle, durch die dein Fuß den Boden spürt
- flexible Materialien im gesamten Schuh, die sich deinem Gang anpassen
- geringes Gewicht, damit deine Schuhe dich nicht belasten

Die richtigen Schuhe sind leicht, geräumig und flexibel.
Einfach gesagt: Normale Sneaker reichen nicht aus – und Absätze oder enge Straßenschuhe erst recht nicht. Wenn du solche Schuhe trägst, helfen selbst tägliche Übungen nicht unbedingt. Wenn du nach dem Üben diese Schuhe anziehst, „schaltest“ du deinen Fuß „aus“. Das Gehirn ignoriert die nötigen Muskeln weiter und weiß nicht, wie es sie ansteuern soll.
Lerne, deinen Fuß wahrzunehmen
Fang ganz von vorn an. Geh barfuß über einen weichen Untergrund. Nimm die Welt unter dir wahr. Besorg dir Schuhe, die dich befreien, und konzentriere dich vor allem auf gesundes Gehen. Wir zeigen dir gerne, wie das geht – im E-Book Schritt für Schritt zu einem gesunden Gang.
Vielleicht hast du – genau wie 70% der Physiotherapiepatienten – gar keine Plattfüße. Nach Jahren in engen Schuhen hast du nur vergessen, wie du sie richtig einsetzt und dein natürliches Gewölbe aktivierst.
Befreie deine Füße. Finde gesunde Schuhe und entdecke den Zauber des natürlichen Gehens.
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