Der Programmierer, der die Sicht auf Schuhe veränderte. „Die Anfänge würde ich niemandem wünschen“, sagt Lukáš Klimpera

Lukáši, wir beginnen mit einer etwas persönlichen Frage. Du hast einen Burn-out erlebt, stimmt’s?

Ja, das stimmt. Ich verdiente meinen Lebensunterhalt als Programmierer, und Computer waren meine große Leidenschaft. Ich hatte ein erfolgreiches Unternehmen in Prag. Wir programmierten Systeme für E-Commerce, Intranets und entwickelten Apps. Ich arbeitete sehr viel, einfach weil es mir Spaß machte.

„Ich wollte meinen Computer aus dem Fenster werfen.“

Und dann passierte es. Ich konnte mich nicht einmal mehr an meinen Computer setzen, und wenn ich ihn ansah, wollte ich ihn aus dem Fenster werfen. Das würde ich niemandem wünschen – es war ein völlig verrücktes Gefühl.

Wie bist du zum Programmieren gekommen? Stimmt es, dass du es nicht studiert hast?

Ich habe es ohne formale Ausbildung von meiner Mutter und meinem Großvater gelernt, die beide programmierten. Mein Großvater arbeitete weltweit an Fabrikprojekten für verschiedene Maschinenbau- und Chemiebetriebe. Meine Mutter beschäftigte sich ausschließlich mit Mathematik und Physik und arbeitete am Hydrometeorologischen Institut.

Als die ersten Computer und Computerspiele aufkamen, spielten alle meine Freunde, und natürlich wollte ich das auch. Aber meine Eltern kauften mir weder einen Spielecomputer noch Spiele. Mein Großvater und meine Mutter brachten mir die Grundlagen des Programmierens bei. Dann begann ich, meine eigenen Spiele zu programmieren.

Founder of Ahinsa shoes Lukáš Klimpera

Physiotherapie hatte Lukáš schon immer interessiert. Deshalb entschied er sich, sie zu studieren.

Wie bist du vom Programmieren zur Physiotherapie gekommen?

Ich mache schon lange Yoga und habe mich schon immer für Physiotherapie interessiert. Als ich mich also, inspiriert von meinem Yogalehrer Paramhans Swami Maheshwarananda, entschied, nach fünf Jahren harter Arbeit meinen Computerberuf aufzugeben, wandte ich mich der Physiotherapie zu. Ich war 25 Jahre alt, bestand die Aufnahmeprüfungen und begann mein Studium an der Karls-Universität. Die Anfänge waren verrückt, aber ich fand meinen Platz in diesem Beruf.

Und an der Universität bist du zum ersten Mal Barfußschuhen begegnet?

Genau. Unsere hervorragende Physiotherapeutin Clara Lewitová unterrichtete uns. Sie sprach über Schuhe, die so konstruiert sein sollten, dass sich der Fuß frei und natürlich bewegen kann. Sie zeigte uns sogar die ersten Prototypen, die sie von Schuhmachern hatte nähen lassen. Schon 1998 veröffentlichte sie ihren wegweisenden Artikel Über Schuhe in der Zeitschrift Rehabilitation und Physikalische Medizin, in dem erstmals die Merkmale von Barfußschuhen definiert wurden. Das war lange, bevor Barfußschuhe auf den Markt kamen. 

„Clara Lewitová beschrieb die Prinzipien von Barfußschuhen bereits 1998.“

Physiotherapist Clara Lewitová

Clara Lewitová ist eine bekannte tschechische Physiotherapeutin und Verfechterin des Barfußgehens. Bildquelle: www.bosybod.cz

Du hast also ihretwegen angefangen, Barfußschuhe herzustellen?

Sie war eine Inspiration, aber so schnell ging es nicht – ich fing nicht direkt nach dem Studium mit der Schuhherstellung an. Zuerst begann ich, als Physiotherapeut zu arbeiten. Ich fand eine Stelle in der renommierten Privatklinik Logo in Brünn unter der Leitung von Kateřina Moráňová. Dort begann ich, den Mangel an gesundem Schuhwerk zu bemerken.

„Es gab nichts auf dem Markt, das ich meinen Patienten empfohlen hätte.“

Stell dir vor, du arbeitest eine Stunde lang mit einem Patienten, widmest ihm Zeit, schaffst es, etwas zu verbessern, und am Ende der Behandlung schlüpft er wieder in die Schuhe, die ihn sofort aus dem Gleichgewicht bringen. Heute würde ich sagen: „Du trägst die falschen Schuhe, sie verursachen deine Probleme.“ Aber damals gab es auf dem Markt nichts, das ich Patienten empfohlen hätte.”

War für dich sofort klar, dass du eigene Schuhe herstellen würdest?

Nein, ich suchte nach verschiedenen Möglichkeiten. Damals tauchten in Tschechien gerade die ersten Zehenschuhe auf, und eine Zeit lang dachte ich darüber nach, sie zu vertreiben. Ich konnte aber nicht überprüfen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden, und das war mir sehr wichtig. Deshalb suchte ich nach anderen Möglichkeiten.

Founder of the Ahinsa barefoot shoe brand Lukáš Klimpera

Ethische Herstellung war für Lukáš schon immer grundlegend.

Ich klapperte tschechische Schuhfirmen ab, aber sie hielten unsere Anforderungen für absurd. Stell dir vor, ein dünner junger Computernerd kommt in eine laute Produktionshalle und trifft dort auf erfahrene, aber pessimistische alte Hasen. Ihr Pessimismus und ihre Skepsis waren verständlich, denn was mit der Schuhindustrie von Baťa bis heute passiert ist, ist verrückt.

„Tschechische Schuhfirmen hielten meine Anforderungen für absurd.“

Das Lustigste ist, dass sogar die ČOKA (Anm.: Tschechischer Schuh- und Lederverband), die hinter allen traditionellen Schuhfirmen steht, gegen uns war. Inzwischen stellen die meisten dieser Firmen aber auch Barfußmodelle her, und die ČOKA sagt natürlich nichts mehr.

Also hast du dich schließlich entschieden, selbst zu produzieren?

Ja und nein. Den ersten Prototyp habe ich buchstäblich zu Hause auf meinem Knie zusammengeklebt. Ich formte einen Fuß aus Papierstücken und klebte dünnes Papier auf dieses Gerüst. Daraus schnitt ich Teile aus, die ich als Vorlage für den Stoff verwendete. Mit Sekundenkleber klebte ich eine Sohle daran, und meine ersten handgemachten Barfußschuhe waren geboren. Es lief sich großartig darin, und sie bewiesen mir, dass die Sache Sinn hatte. Aber die Schuhe sahen furchtbar aus. Es war klar, dass sie jemand herstellen musste, der etwas davon verstand.

„Den ersten Prototyp habe ich selbst zusammengeklebt. Es lief sich großartig darin, aber er sah furchtbar aus.“

Am schwierigsten war es, Menschen zu finden, die sich mit der Schuhherstellung auskannten. Doch hier in der Region Zlín hatten das Wissen und die Schuhmachertradition überlebt. Ich habe großes Glück, dass ich großartige und geschickte Menschen gefunden habe. Heute fertigen wir Schuhe für die ganze Welt und machen sie genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Von Hand, ästhetisch und aus hervorragenden veganen Materialien.

Lukáš Klimpera shows barefoot shoes

Heute fertigen wir bei Ahinsa shoes sowohl Barfußschuhe als auch Schuhe mit einer speziellen Komforteinlegesohle.

Warum wollte Lukáš immer ausschließlich ethisch und aus veganen Materialien produzieren? Und warum sind Barfußschuhe auch für deinen Körper so wichtig? Das erfährst du im weiteren Interview mit Lukáš Klimpera.

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